“Teleshopping braucht keine Moderatoren”
Provokation zum Wochenende. Meine These: Teleshopping geht auch ohne Moderatoren. Manchmal sogar besser.
Grund 1: Moderatoren sind nur die einfachste Lösung.
Als Teleshopping Anfang der 80er Jahre geboren wurde, dachte sicher niemand über das Für und Wieder von Moderatoren nach. Es gab sie einfach. In Nachrichtensendungen, Talkshows und Magazinen. Also auch für die Verkaufsshows. Und weil es sie immer gab, hat sie auch nie jemand in Frage gestellt.
Nur: bei der Talkshow ist der Talkmaster der Star. Beim Teleshopping sollte das Produkt im Mittelpunkt stehen. Aber tut es das wirklich?
Sicher: Man könnte jetzt das Gegenargument bringen:
Wer soll das Produkt bewegen, es vorführen?
Antwort: Man könnte kurze Spielszenen zeigen – das Produkt in der Anwendung. Kommentiert wird dann aus dem Off.
Viel zu aufwendig?
Vielleicht. Aber in manchen Produktkategorien, z.B. Schmuck, Mode sehr einfach umzusetzen. Wird ja auch gemacht. Man zeigt Models, die die Kleidung oder den Schmuck tragen. Aber warum braucht man dann hier noch einen Moderator, der ab und an durchs Bild hüpft?
Grund 2: Moderatoren polarisieren.
Klar – Moderatoren sind die Gesichter eines Senders. Und Moderatoren sollen gerade bei Nicht-Kunden Vertrauen schaffen und den Zuschauer an den Sender binden. Nach dem Motto: “Der wirkt sympathisch. Dem vertraue ich. Bei dem bestell´ ich mal was.”
Was aber, wenn ich das Gesicht nicht leiden kann? Warte ich dann ab, bis ein anderes Gesicht auf dem Bildschirm erscheint oder zappe ich einfach weiter? Wahrscheinlich letzteres.
Der Erstkontakt zwischen Zuschauer und Sender ist entscheidend. Wenn der Moderator nicht “gefällt”, ist der potentielle Neukunde weg.
Umgekehrt ist es ähnlich. Stammkunden haben ihre Lieblings-Moderatoren (“Ich schau´ nur Sie. Sie sind die Beste von allen…”). Man könnte also mutmaßen, dass oft nur aus “Sympathie” gekauft wird. Womit wir beim nächsten Grund wären.
Grund 3: Moderatoren sorgen für hohe Retouren.
Moderatoren vermitteln Emotionen. Ohne Emotion ist ein Ring nur ein Ring. Mit der entsprechenden Moderation ist ein Ring ein “Liebesbeweis” oder vieles mehr.
Und: Emotion spielt sich hauptsächlich im Gesicht eines Moderators ab. Ich sehe das strahlend-weiße Lächeln der Moderatorin, dann das Schmuckstück und verbinde beides: “Der Ring lächelt mich an”.
Impulskäufe sind die Folge. Problem nur: Zuhause beim Kunden lächelt der Ring dann aber nicht mehr so wie im Fernsehen. Dann lächelt höchstens noch die Rechnung. Oder eben der Retourenaufkleber…
Schlussfolgerung:
Teleshopping hat Moderatoren, weil man es noch nie ohne sie versucht hat.
Ohne Moderatoren würde man sicher weniger Umsatz machen. Impulskäufe würde deutlich zurückgehen. Aber damit gäbe es auch weniger Retouren.
Und bei manchen Sendungen (Outlet!) kommt es doch genau auf das an: “Alles muss raus… und bitteschön ohne Rücksendungen”.
Vielleicht wären solche Outet-Shows (bei denen ja hauptsächlich Schmuck und Mode verkauft wird) ein “Versuchsfeld”, um hier einen neuen Weg des Teleshoppings auszuprobieren. Ganz ohne Moderatoren.
+++ Disclaimer: Der Artikel ist bewusst provokativ geschrieben. Die Thesen sind zum Teil überzeichnet und sollen zur Diskussion anregen. +++

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