Channel21 mit spielerischem Format

Auf seinem Digitalsender scheint Channel21 einiges auszuprobieren.

Neueste “Spielerei”. Eine Show, in der scheinbar in Echtzeit der Preis radikal gesenkt wird. Der Clou an der Sache: Programmchef Anand Althoff sitzt mit im Studio und “kalkuliert knallhart” die Preise.

Wirkt auf den ersten Blick vielleicht skurril, weiß aber zu unterhalten. Hut ab vor diesem innovativen Format.

  • Uli

    Auch ich ziehe meinen Hut. Lege ihn auf die Brust, neige mein Haupt und nehme Abschied. Abschied von aller Glaubwürdigkeit, Authentizität und Seriösität, sofern es die bei Channel21 Express je gegeben hat.

    Es ist weder verwerflich noch grundsätzlich falsch, Produkte primär über den Preis zu verkaufen. Aber muss es in diesem Fischmarkt-Soziolekt sein? “Ich werde das bereuen…!”, “Gut, dass mein Chef nicht zuschaut!”, “Wir werden arm!” “Verdienen wir überhaupt noch was daran?” Man könnte diese niedrigen Preise auch positiv abfeiern, ohne “Reue” und “arm werden” auf Seiten des Anbieters.

    Auch die Idee eines Sidekicks, der die Kalkulation scheinbar live vornimmt, ist per se nicht die schlechteste. (Apropos scheinbar live kalkulieren: Man sollte dann schon darauf achten, dass der reduzierte Preis nicht schon 'ne Sekunde vorher zu lesen ist…)
    Dass man dafür den Programmchef hernimmt, der zumindest in meinem Verständnis mit Kalkulationen eher weniger zu tun hat, ist einigermaßen bizarr, stört aber die unwissende Kundschaft vermutlich nicht. Irreführender finde ich da schon eher die völlig verwaschene Rollenverteilung zwischen Moderator und Sidekick. Der eine sollte doch das Produkt kennen und verkaufen, der andere mimt den fleischgewordenen Rotstift, ohne näher aufs Produkt einzugehen. Nicht so hier. Der Moderator weiß nicht, wie man Stulpen anzieht, dafür lobt der Herr Kalkulator die Produkteigenschaften der Billigpantoffeln und Universaltaschen (“So ein hochwertiges Material, und glitzern tun sie auch…”, “Strandtasche, Sporttasche, Laptoptasche…”) Eine klare Abgrenzung ist doch gerade bei Sidekicks absolut notwendig. Was wäre das für ein Käse geworden, wenn Manuel Andrack bei Harald Schmidt plötzlich die Zoten vom Stapel gelassen hätte?

    Über die Produkte erfährt man nicht einmal das Allernötigste. Keine Größen (z.B. bei Pantoffeln keine ganz unwichtige Info, selbst wenn es one size ist), keine Maße (wenn ich mein Laptop in die Supertasche stecken will, wüsste ich gern, ob's auch reinpasst)… sondern (O-Ton:) “Mir doch egal, was Sie reintun!”

    Dass zur Kalkulation eine antike Rechenmaschine benutzt wird, obwohl ein fettes MacBook Pro auf dem Schreibtisch steht, ist unfassbar absurd, aber werten wir's mal als Stilmittel.

    Fazit: Eine witzige Idee, nicht zuende gedacht und schlecht umgesetzt. Und wie sich so ein Format auf die Reputation des Muttersenders auswirkt, ist eine Frage, die sich dort offenbar niemand stellt. Ein Moderator, der mir gestern noch teure Herrenuhren verkaufen, pardon “empfehlen” wollte, haut mir heute billigsten Mikrofaserkram um die Ohren. Vertrauensbildung sieht anders aus.

  • Interessierter

    Wie der Blogautor diese Peinlichkeit im deutschen Homeshopping als Innovation feiern kann, ist auch mir eher schwer nachvollziehbar. Benennen wir es doch einmal als das, was es ist: Einfach eine spätere – angebliche überraschende – Einblendung des Preises. SUPER IDEE. NIE DA GEWESEN! So stelle ich mir die grandiosen neuen Konzepte von C21 vor! Na da müssen sich HSE/QVC aber warm anziehen!

    Davon abgesehen, dass HSE das bei Abverkaufshows schon vor sieben Jahren gemacht hat, kann sich man über diese dermaßen schlechte und nicht mal mehr als “Comedy” zu bezeichnende Umsetzung nur wundern.

    Die gesamten Einleitungen der Storys sind an negativer Auslobung gar nicht zu übertreffen:
    a) selbst der Moderator behauptet “… das zahlen die Kunden doch dafür nicht…” (und damit muss sich der Kunde die Frage stellen, warum das dann überhaupt mal zu diesem Preis angeboten wurde und ob man bei nicht reduzierten Preisen nicht auch veräppelt wird).
    b) dann liefert man sich ein eher unglaubwürdiges Bietergefecht, dass bereits nach der ersten Preisansage wieder beendet ist. Selbst auf dringendes Nachfragen des Moderators (“Och, geht nicht noch mehr…?”) geht nichts mehr – jetzt muss ich endgültig glauben, dass es noch immer kein guter Preis ist. Irgendwie kostet auch alles 7,99 Euro – kann aber auch am Zusammenschnitt liegen…
    c) dann einen Sidekick (der im übrigen kameratechnisch nicht EINMAL mit dem Moderator zusammen gezeigt wird – man meint, er guckt also irgendwo hin oder sitzt sonstwo), der alles in sich vereint, was man nicht haben sollte: Schlechten Witz, Wortkargheit, ein abgehacktes Ausstoßen von Hauptsätzen mit begrenztem Wortschatz, durch den Schal die Ausstrahlung eines verirrten Intelektuellen aus einer Büchersendung und ein so glaubwürdiges “Rüberbringen” der Story, die an den schlechtesten Meineid der Welt erinnert. Außerdem wird der Sidekick nicht einmal in irgendeiner schlüssigen Weise legitimiert (warum darf der das?). Zusätzlich wirft er die – im übrigensehr tiefsinnigen – Produktvorteile so dermaßen hin (bei lässig zurück gelehnter Arroganzpose), das er nun vollends zum Anitpathieträger wird und sich jetzt langsam jeder unwohl fühlen muss, der auch nur eine Sekunde darüber nachdachte, dieses Produkt zu kaufen.
    d) Musik gibt kommt irgendwie auch phasenweise nicht, wodurch die Aufmerksamkeit noch mehr auf die komplett witzlose Kommunikation gelenkt wird.

    “Wir entwickeln uns zur interaktiven Multichannel-Plattform mit Features und technischen Entwicklungen, die den Kunden integrieren werden.”, sagte C21 c- Programmchef Anand Althoff Anfang 2009 in einem Interview in diesem Blog. Wenn das mehr als ein Jahr später das Ergebnis ist: Halleluja!

    “Soft Selling und Kundenorientierung heißen die Stichworte. Auch das wird jetzt sukzessive eingeführt.”, sagte C21-Programmchef Anand Althoff Anfang 2009 in einem Interview in diesem Blog. Diese Show lässt eher darauf schließen, das Hard Selling betrieben werden soll – aber die Nachhaltigkeit von C21 – Strategien ist ja ohnehin bekannt. Heute rechts, morgen links. Und immer blendend umgesetzt.

    “Unsere neue On-Air-Grafik spielt dabei eine wichtige Rolle”, sagte C21-Programmchef Anand Althoff Anfang 2009 in einem Interview in diesem Blog. Klasse! C21 hat etwas erfunden, was noch niemand kannte: Das Reinfahren des aktuellen Preises in die Grafik! Mehr als ein Jahr nach dem Interview sehr beachtlich!

    Alles in allem gibt C21 das Bild eines chaotisch und konzeptlos rumschippernden Bootes ab, das programmstrategisch ein so desolates Bild zwischen mehreren halbgegorenen Strategien zeichnet, dass man nur froh sein kann, dass man sich dort nicht vor die Kamera stellen muss und diesen konzeptionslose Hauruck-Aktionen mit eigenem Gesicht verkaufen muss. Mir scheint, als sei dort kein einziger echter Strategie mit weitvisionärem Denkvermögen an Bord, der Intellekt und Nachhaltigkeit besitzt, um dieses wirre Rumgeiere, was nach außen abgegeben wird, in den Griff zu bekommen.

    Und wie Neueigentümer Oplesch sagt, möchte er mit diesem “Schiff am Riff” in zwölf Monaten HSE24 überholt haben – noch ein Beweis dafür, dass selbst der Neueigentümer bestens zum Gesamtbild von C21 passt, denn nichts zeigt mehr Ahnungslosigkeit vom Geschäft, als dieser selbstüberschätzende Satz.
    Ich wollte auch schon immermal in 2 Wochen den Mond besiedeln – das wäre wohl eher zu schaffen, als der Satz von Herrn Oplesch.

    Bemitleidenswert – die Leidensgeschichte von C21. Wie

  • Interessierter

    Leichter Fehler: “Oplesch will in zwölf Monaten HSE24 überholt haben” – sollte es in dem Beitrag unten heissen…

  • JosefTheobald

    CHANNEL 21 entwickelt sich immer mehr zum Gegenteil.
    Allein der Druck auf eventuelle Käufer (begrenzte Menge
    usw.) erweitert das Negativimage. Auch die Neuzugänge
    beim Personal konnten bisher kaum überzeugen, sondern
    signalisieren eher den Abgang zur Mittelmässigkeit. Konnte
    noch ein Herr Kühler durch seine schauspielerischen Fähig-
    keiten überzeugen, so sind die Herren Fast und Co. typische
    Beispiele für das Abtriften des Senders.

    Joe

  • Jan Richter

    Im moment probieren die wohl einiges aus, selbst Ihre Online aktivitäten weiten die aus wie man hier sieht http://www.deal-web.de/5-euro-gutschein-fur-channel21-de/

    Die Amerikaner scheinen mit aller Macht wohl auf den deustchen Markt drücken zu wollen