Im Rahmen der aktuellen Multi-Channel-Debatte („Multi-Channel-Händler als Verlierer im E-Commerce?“) hat Martin Gross-Albenhausen (Chefredakteur “Der Versandhausberater”) einen interessanten Satz formuliert:
Ein Teleshopping-Sender, der einen Onlineshop hat, bleibt ein Teleshopping-Sender.
Moment mal? Die Onlineshops der Teleshoppingsender in den USA haben enorme Zuwachsraten. Im ersten Quartal dieses Jahres lagen die Umsatzanteile der Webshops zwischen 32% (QVC und HSN) und 40% (ShopNBC). QVC und Co. verkaufen also auf zwei umsatztechnisch gleichwertigen Kanälen.
Sind Teleshopper somit nicht Multi-Channel-Händler, die auf zwei Kanälen gleichermaßen performen? Nein. Oder besser: noch nicht. Denn es fehlt die richtige Strategie hinter dem Online-Geschäft.
Martin Gross-Albenhausen fragt zurecht:
Wo verdient der Sender den Umsatz im Webshop: Aus dem Stream des Programms heraus bzw. den Produkt-Clips? Oder aus dem Shop? Ist das Web ein Übertragungskanal oder ein Vertriebsweg nach eigenem Recht?
Das rührt nämlich genau ans Thema: Entwickele ich ein Teleshopping-Format speziell für das Web – oder bildet das Web ein Teleshopping-Format ab bzw. wertet es aus? Ist der Sender noch davon getrieben, die Reichweite in Kabelnetzen oder digitalen Bouquets zu erweitern – oder geht er dazu über, gezielt die Web-Nutzer zu suchen und für sie adäquate Angebote zu entwickeln?
Bei den Webangeboten der Shopping-Sender handelt es sich um klassische Onlineshops. Produktfotos, Beschreibungen, Bewertungen. Kaum etwas deutet darauf hin, dass hinter dem jeweiligen Webshop Unternehmen stehen, die das „Homeshopping“ revolutioniert haben.
Die hohen Umsatzanteile der Onlineshops trügen also. Ein Großteil des Umsatzes ist TV-getrieben. Der Kunde sieht es im TV und bestellt dann im Web. Weil er sich noch einmal informieren möchte oder weil es schlicht der bequemere Weg ist (Stichwort: parallele Mediennutzung).
Hart ausgedrückt: Die Webshops könnten ohne das TV kaum überleben. Der Onlinemarkt ist aber der Wachstumsmarkt. Zeit also, eine eigene Strategie hierfür zu entwickeln, eine Multi-Channel-Strategie.
Martin Gross-Albenhausen:
Es ist Multichannel, wenn der Anbieter versucht, seinen USP in einer dem Kanal angepassten Weise zu interpretieren.
Über die Kernkompetenzen des Teleshopping wurde hier schon viel geschrieben. Emotionalisierung der Produkte und Optimierung der Verkaufsstrategie je nach Kundenverhalten in Echtzeit. Daneben natürlich Bewegtbild – wobei das bewegte Bild für mich eher das Medium ist. Entscheidend ist, was „im“ Bewegtbild passiert.
Und es wäre so einfach diese Kernkompetenzen ins Web zu übertragen. „Gehversuche“ gibt es ja genügend.
Beispiel: Bewegbild. Ob Q-Minute, Webcasts oder die „Brand-Videothek“ von HSN. Es wird experimentiert – aber alles scheint irgendwie halbherzig und verschwindet meist nach wenigen Wochen wieder, ohne weiterentwickelt worden zu sein.
Beispiel: Emotionalisierung. Auch hier gibt es erste Schritte. Auf der Startseite QVC.com wird bei der Darstellung des TSVs („Today’s Special Value“) auf die Auslobung des Preises verzichtet – nicht der Preis sondern ein emotionales Kaufargument stehen im Vordergrund. Auch bei QVC.de wird das Tagesangebot immer öfter inszeniert statt abgebildet. Und HSE24 hat kürzlich eigens produzierte Videos mit Mode- und Stylingtipps auf der Seite.
Was bisher fehlt, ist ein „Reagieren auf Kundenverhalten“ – ähnlich wie im TV. Wenn ein Angebot auf der Startseite nicht performt, muss es ausgetauscht werden. Die Website muss mehr mit dem Kunden online interagieren.
Um auf zwei Kanälen erfolgreich zu sein, ist eine große Herausforderung. Martin Meinrenken hat im Blog „shopanprobe“ die beiden Kanäle „Katalog“ und „Online“ verglichen. Hier finden sich viele Parallelen zum Teleshopping-Business.
Ohne Investments wird es langfristig nicht gehen. Noch wachsen sowohl TV als auch online parallel, wobei online deutlich schneller zulegt. Hier liegt also das Geld der Zukunft.
Die Multichannel-Debatte zum Nachlesen: Hier, hier, hier und hier.